{"id":12046,"date":"2018-07-23T11:58:00","date_gmt":"2018-07-23T11:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/adolesco.org\/?p=12046"},"modified":"2018-07-23T12:19:08","modified_gmt":"2018-07-23T12:19:08","slug":"ein-elternbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/adolesco.org\/es_ar\/ein-elternbericht\/","title":{"rendered":"Ein Elternbericht"},"content":{"rendered":"<h3>Niklas&#8217; Mama hat den Austausch sehr intensiv erlebt<\/h3>\n<p>Ich bin alleinerziehende Mutter und habe einen 15-j\u00e4hrigen Sohn (Niklas). Gew\u00fcnscht habe ich ihm immer, dass er einen Sch\u00fcleraustausch macht. F\u00fcr einige Zeit woanders zu leben, sich auf andere Menschen einzustellen, nicht zuletzt der Spracherwerb.<br \/>\nDann das Austauschkind bei uns, ihn kennenzulernen, sich auf ihn einzustellen und viel \u00fcber sein Leben und seine Kultur zu lernen. Eben unser Leben mit ihm zu teilen.<br \/>\nDas klingt alles vielversprechend, aber mit unserem Status, bzw. meinem Stempel \u201eAlleinerziehend\u201c bin ich jedoch davon ausgegangen, dass wir nicht so schnell einen Austauschsch\u00fcler bekommen. Allgemeinhin m\u00f6chte man doch sein Kind ganz gern in eine Familie hineingeben, in der zwei Erwachsene sind.<br \/>\nFalls es mal so richtig krachen sollte, fehlt vielleicht eine weitere wichtige (erwachsene) Bezugsperson\u2026und au\u00dferdem fragt sich sicher der ein oder andere: \u201eAlleinerziehend. Hm\u2026geht denn dort auch alles mit rechten Dingen zu?\u201c<\/p>\n<h4>Es hat alles sehr gut geklappt<\/h4>\n<p>Aber, um den Schluss mal vorwegzunehmen: Es hat alles sehr gut geklappt. Wir hatten zusammen viel Spa\u00df und es war eine sehr, sehr sch\u00f6ne und auch lernintensive Zeit! Damit meine ich, dass sich alle gut aufeinander eingestellt haben.<br \/>\nUnd Quentin, unser Austauschkind, m\u00f6chte bald wiederkommen (was sicher nicht zuletzt an den M\u00e4dchen aus der Schulklasse liegt).<br \/>\nNiklas hat sich um unseren Austauschsch\u00fcler k\u00fcmmern m\u00fcssen \u2013 er war schlie\u00dflich fast den ganzen Tag mit ihm zusammen &#8211; und hat somit quasi ein Sozialtraining absolviert, das ihn sehr angestrengt hat &#8211; letztendlich hat er unglaublich daran gewonnen!<br \/>\nFalls irgendwas schwierig oder problematisch ist, besteht f\u00fcr die Kinder auch immer die M\u00f6glichkeit, mit der Bezugsperson von \u201eadolesco\u201c Kontakt aufzunehmen. Ich glaube, das allein gibt Sicherheit und nimmt viel Druck aus dem ganzen. Und unter Umst\u00e4nden f\u00fchlt man sich nicht so isoliert.<br \/>\nSo, zur\u00fcck zum Anfang:<\/p>\n<h4>Niklas in Frankreich<\/h4>\n<p>Niklas war zuerst bei Quentin in Frankreich. F\u00fcnf Wochen hat er ihn in seinem Alltag begleitet und dank der Gasteltern hatte ich einen guten Einblick dar\u00fcber, dass er sich auf Familie und Schule gut eingestellt hat. (Niklas selbst hat von vornherein ausgeschlossen, sich bei mir regelm\u00e4\u00dfig zu melden: \u201eMama: Anrufen werde ich auf keinen Fall(!) und erst recht nicht skypen!!\u201c<br \/>\nDa ich die Meinung vertrete, dass man sich auf neue Gegebenheiten nur gut einstellen kann, wenn man mit den Gedanken nicht st\u00e4ndig an seiner Heimat h\u00e4ngt, war das f\u00fcr mich jedoch vollkommen in Ordnung: \u201eOkay. Wenn ich von dir nichts h\u00f6re, gehe ich davon aus, dass es dir gut geht.\u201c<br \/>\nDass er aber gut in Frankreich gelandet ist und die Familie gefunden hat, sollte er mir zumindest per SMS schreiben \u2013 und das hat er auch gemacht.)<br \/>\nNach den f\u00fcnf Wochen kam er schon mal sehr ausgewechselt zur\u00fcck \u2013 im positiven Sinn: deutlich aufmerksamer und hilfsbereiter.<br \/>\nKurzes Beispiel:<br \/>\nIch: \u201eHilfst du mir dann mal im Garten?\u201c<br \/>\nNiklas steht auf: \u201eKlar! Jetzt?\u201c<br \/>\nIch: \u201e?????&#8230;Ja! Gerne jetzt!\u201c<br \/>\nAbgesehen von seinen wachsenden Franz\u00f6sischkenntnissen hat er so viel erlebt: Land und Leute kennen gelernt, sich auf z.T. vollkommen andere Abl\u00e4ufe und Regeln eingestellt und das alles in einem ihm unvertrauten Land.<\/p>\n<h4>Weiter geht&#8217;s in Deutschland<\/h4>\n<p><a href=\"http:\/\/adolesco.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Niklas-Wittig-und-Quentin-Legoff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12047\" src=\"http:\/\/adolesco.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Niklas-Wittig-und-Quentin-Legoff-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/adolesco.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Niklas-Wittig-und-Quentin-Legoff-150x150.jpg 150w, https:\/\/adolesco.org\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Niklas-Wittig-und-Quentin-Legoff-80x80.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Quentin, unser franz\u00f6sisches Austauschkind, ist ca. drei Wochen sp\u00e4ter mit fast keinen Deutschkenntnissen(!) bei uns angekommen. Vor dieser sportlichen Einstellung hatte ich schon mal gro\u00dfen Respekt!<br \/>\nNiklas und er haben aber viel auf Franz\u00f6sisch oder Englisch gesprochen, ich blieb eisern bei Deutsch, dann oft mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen, viel Gestik (verbunden mit viel Lachen) und manchmal mit einem leisen, verzweifelten Fl\u00fcstern des entsprechenden franz\u00f6sischen oder englischen Wortes.<br \/>\nAber Quentin ist sprachbegabt und hat gleich viel verstanden.<br \/>\nEr hat von sich aus hier und da mitgeholfen den Tisch zu decken und abzur\u00e4umen, den Geschirrsp\u00fcler mit auszur\u00e4umen etc., eben diese Kleinigkeiten im Haushalt mitgemacht, die man in den ersten Tagen sowieso thematisiert h\u00e4tte. Das war schon mal ein guter Start.<br \/>\nIn unserem Putzplan hat er sich dann zwei Sachen ausgesucht, die ca. einmal pro Woche (oder aller zwei Wochen, \u2026manchmal auch drei \u2013 an den Tagen war immer viel los\u2026 ein Termin jagte oft den n\u00e4chsten) erledigt wurden.<\/p>\n<h5><strong>Neue Begeisterung f\u00fcr ein vergessenes Hobby<\/strong><\/h5>\n<p>Am zweiten Wochenende fand ein JazzWorkshop f\u00fcr Jugendliche statt, in den wir Quentin mit seiner Zustimmung (zwei Monate vorher) angemeldet hatten.<\/p>\n<p>Er ging zugegebenerma\u00dfen erstmal mit Vorbehalten hin, da er schon seit einiger Zeit keinen Klavierunterricht mehr hatte und sich kurz vor Beginn nun doch Angst und Panik meldeten \u2013 kurzzeitig wollte er dann gar nicht mehr hin (\u201e??Klavier? Ich? \u2026Nein! Ich spiele kein Klavier! Ich habe schon sehr lange keinen Unterricht mehr!\u201c).<br \/>\nDabei hatte er doch in Frankreich noch zugestimmt \u2013 aber mit gutem Zureden meinerseits (\u201eProbier\u00b4s doch erstmal. Und wenn\u00b4s dir nicht gef\u00e4llt, hole ich dich eben wieder ab.\u201c) habe ich die zwei schlie\u00dflich doch zusammen hingefahren.<br \/>\nIm Nachhinein glaube ich, war es die sch\u00f6nste Zeit, die er hier hatte, denn er ist nicht nur \u00fcber seinen Schatten gesprungen und hat sich dort integriert, er hat dar\u00fcber hinaus in einer zwanglosen und lockeren Atmosph\u00e4re einen freien und kreativen Zugang zur Musik entwickelt. Und das hat ihm richtig Spa\u00df gemacht!<br \/>\n(Am Ende wollte er einem der Dozenten noch hinterherfahren, um sich die noch fehlende Unterschrift f\u00fcr das Poster des Workshops als Erinnerung abzuholen.)<br \/>\nAuch hier zu Hause steht ein Klavier \u2013 er hat sich immer h\u00e4ufiger mal drangesetzt und auch mit Niklas oder mir etwas gespielt. Das war klasse und hat mich (und auch seine Eltern, denen ich ab und an ein Video davon zugeschickt habe) sehr gefreut.<br \/>\nIn unseren Gospelchor haben wir ihn auch mitgenommen. Viele Lieder werden dort mit Vor- und Nachsingen einge\u00fcbt. Da er hier wenig Erfahrung hatte, fiel ihm das etwas schwerer. So hat er dementsprechend bei manchen Liedern nicht mitgesungen, was aber auch vollkommen in Ordnung war.<br \/>\nDie Leute im Chor sind sehr interessiert und offen. Als Franzose wurde er in den Pausen von den anderen h\u00e4ufig angesprochen. Meist auf Englisch. So sah ich ihn fast immer im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<h5><strong>Viele Aktivit\u00e4ten<\/strong><\/h5>\n<p>Ansonsten haben wir unsere Freizeit recht intensiv gestaltet: An einem Tag waren wir in Hamburg, dann im Wattenmeer (das war aber gar nichts f\u00fcr ihn \u2013 offensichtlich hat er es trotz unserer Beschreibung zuerst mit einem Strand verwechselt: \u201eKlar, kenn ich \u2013 ich bin darin geboren!\u201c. Dann jedoch die Erkenntnis als er im Watt war: \u201e?H\u00e4h? \u00c4\u00e4\u00e4hiiiih\u2026nein\u2026das ist nichts f\u00fcr mich!\u201c Und drau\u00dfen war und blieb er!).<br \/>\nF\u00fcr vier Tage sind die zwei allein nach Hannover zu meinen Verwandten gefahren \u2013 in der Schule war frei, weil die Abiturpr\u00fcfungen durchgef\u00fchrt wurden \u2013 und dort war gerade die \u201eF\u00eate de la Musique\u201c: 1200 Musiker auf 40 B\u00fchnen in der Stadt verteilt. Zum Teil mit der M\u00f6glichkeit, mitzumachen. Voll gut!<\/p>\n<p>Und bei uns sind wir schwimmen gegangen, wir waren Fahrradfahren, einmal beim \u201eLaser tag\u201c und Quentin hat im ortsans\u00e4ssigen Sportverein Tennis gespielt. Ich fand es wichtig, dass er hier mal etwas komplett ohne Niklas und mich machen konnte, sein eigenes \u201eDing\u201c eben. Er kam immer sehr geschafft und gl\u00fccklich von dort zur\u00fcck.<\/p>\n<h5><strong>In der Schule<\/strong><\/h5>\n<p>In der Schule hat Quentin viele neue Kontakte gefunden, und nicht nur einmal haben sich Niklas und er nach der Schule mit einigen Freunden getroffen. Sie waren auch zu Geburtstagsfeiern eingeladen, aber an ein paar Wochenenden haben sie sich auch einfach so verabredet \u2013 meistens zu Filmabenden.<br \/>\nIm Unterricht selbst war er voll mit eingebunden: Nicht nur m\u00fcndlich, sondern auch schriftlich wurde er gefordert.<br \/>\nIch fand es toll, dass die Lehrer auf ihn eingegangen sind \u2013 letztendlich f\u00fcr sie ein Sch\u00fcler mehr, der differenziert behandelt werden musste, was zus\u00e4tzliche Arbeit bedeutet. Vielen Dank an dieser Stelle!<br \/>\nDie Atmosph\u00e4re in der Klasse ist besonders gut, und Quentin hat das sehr bewusst wahrgenommen. Nach seinen 10 Wochen bei uns fiel ihm der Abschied von den neuen Freunden besonders schwer. Er hat bei uns eine Abschiedsfeier gegeben und es gab Fondue (Fleisch- und K\u00e4sefondue) in unserem Garten. 10 Leute waren da und ich gehe mal davon aus, dass nicht nur in unserem Dorf alle mitbekommen haben, dass in unserem Garten gefeiert wurde (Lachen, Kreischen\u2026).<br \/>\nAm Ende des Essens wurde der Esstisch zur Tischtennisplatte umfunktioniert. Eine fr\u00f6hliche Gesellschaft, die nachher noch einen Nachtisch gemacht hat (\u201eSchneegest\u00f6ber\u201c).<\/p>\n<h4>Ein Fazit<\/h4>\n<p>Insgesamt war es eine richtig gute Zeit! Ich war im regelm\u00e4\u00dfigen Austausch mit unserer Begleiterin von \u201eadolesco\u201c. Mit ihr hat es von Anfang an gut gepasst, ich habe mich gut beraten und auch unterst\u00fctzt gef\u00fchlt. Zu wissen, dass sie f\u00fcr Niklas genauso da war, fand ich gut. F\u00fcr den Fall eines Notfalls war das beruhigend f\u00fcr mich. Und sei es nur, dass er ihr schreiben konnte, ob es insgesamt gut passt oder hier und da etwas kriselt. (Ist nicht vorgekommen, aber das wei\u00df man ja vorher nicht.) Regelm\u00e4\u00dfig habe ich ihr geschrieben, wie es bei uns ist. Niklas musste Quentin besonders am Anfang sozusagen \u201ean der Hand nehmen\u201c. Das hat ihn in mehreren Situationen richtig angestrengt.<\/p>\n<p>Hier ein Beispiel: Der Schulbus hatte Versp\u00e4tung und mit den 10 Minuten, die sie laufen mussten, wurde die Zeit zum Beginn der ersten Stunde sehr knapp. Niklas wollte losrennen, Quentin aber vertrat die Meinung, dass er ja schuldlos an dieser Versp\u00e4tung sei und er es gar nicht einsehe, jetzt loszurennen. Niklas f\u00fchlte sich nun hin- und hergerissen, wollte keinen \u00c4rger, mochte Quentin aber auch nicht zur\u00fccklassen. Sp\u00e4ter in der Reflexion hat die Auseinandersetzung mit solchen Herausforderungen Niklas und mich nochmal richtig zusammengeschwei\u00dft. Daf\u00fcr bin ich besonders dankbar. Sind doch Jugendliche im Alter von 15 \u2026allgemeinhin\u2026 naja\u2026 mitunter etwas \u2026unentspannt. Aber sein Blickwinkel f\u00fcr viele Situationen wurde ver\u00e4ndert und letztendlich sehr bereichert. Niklas selbst ist bewusst geworden, dass er gelernt hat, deutlich mehr Verantwortung f\u00fcr andere zu \u00fcbernehmen. Er hat auch als positiv bewertet, dass der Tagesablauf insgesamt geregelter war: In Frankreich wird immer zusammen gegessen \u2013 daf\u00fcr nur dreimal pro Tag. Diese Regel haben wir hier gern \u00fcbernommen. Zur\u00fcckblickend hat der gesamte Austausch richtig guten Wind in unseren Alltag gebracht und ich bin sehr froh, dass wir daran teilgenommen haben! Der Kontakt zur Familie in Frankreich besteht und wir freuen uns, wenn Quentin noch einmal herkommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niklas&#8217; Mama hat den Austausch sehr intensiv erlebt Ich bin alleinerziehende Mutter und habe einen 15-j\u00e4hrigen Sohn (Niklas). 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