« Noch nie soviel gelernt » Juliane berichtet über ihren Aufenthalt in Spanien

Ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie soviel Neues erlebt und gelernt, wie in dieser Zeit.

Man denkt, dass es gar keine so großen Unterschiede zwischen zwei europäischen Ländern wie Spanien und Deutschland gibt. Und doch hatte ich am Anfang ganz schön mit der Eingewöhnung zu tun: die neue Sprache, eine andere Kultur, ein ganz anderer Tagesrhythmus und vor allem – für mich- ein ganz anderes Familienleben mit vielen Geschwistern. Aber in alles wächst man so schnell rein, als hätte man nie einen anderen Alltag gehabt.

Wenn man offen und freundlich ist, findet man schnell neue Freunde und will später gar nicht mehr weg 🙂

Auch wenn die 3 Monate nicht immer einfach waren und man sich täglich überwinden musste, war es ein so schönes Erlebnis, das ich nie vergessen werde und nur jedem ans Herz legen kann!

AMICIE

Gadea est partie, comme prévu, le 7 avril après 12 semaines qui sont passées trop vite. Elle s’est parfaitement intégrée tant à la maison qu’au collège et a participé à toutes les activités que nous lui avons proposées, notamment l’équitation qu’elle a débutée avec nous et qu’elle souhaite poursuivre en Espagne. Elle a acquis un bon niveau de français et a obtenu d’excellentes notes en anglais et en mathématiques au collège. Nous pouvons désormais tenir une conversation sur tous types de sujet avec elle. Son intelligence, sa détermination et le bon accompagnement de sa famille dans son projet d’échange ont constitué autant de facteurs de réussite pour cette première partie. Gadea et Amicie ont aussi développé une belle complicité. Amicie a rejoint Gadea le 14 avril à Murcie. Le bon contact que nous avons développé avec les parents de Gadea se traduit par des messages très régulièrement avec des échanges de photos et un Skype réunissant les deux familles chaque semaine. Tout est donc au beau fixe pour le séjour d’Amicie en Espagne, les premiers messages de la famille espagnole en témoignent. Ils ont toute notre confiance, ayant à cœur que le contact perdure au-delà de ces 6 mois, entre les filles mais aussi entre les familles. Nous tenons à vous remercier, ainsi que toute l’équipe d’Adolesco, une nouvelle fois, pour cet appariement judicieux et nous vous tiendrons informés de la suite de l’aventure. Bien cordialement, Hélène et Pascal

Mehr Frankreich geht nicht

Les Alpes – La Seyne-sur-mer – Vienne – Lyon – Paris in 10 Wochen

Mit viel Vorfreude, einem riesigen Koffer, aber auch Nervosität, saß ich im Flugzeug nach Frankreich auf dem Weg zu meinem 10-wöchigen Austausch. Ich war so aufgeregt, dass ich nicht einmal wusste, wie ich meiner Austauschschülerin Floriane schreiben sollte, dass ich am Flughafen in Lyon gelandet bin. Am Ausgang wurde ich dann von meiner Gastfamilie, bestehend aus meiner Gastschwester Floriane, ihren beiden Schwestern Amélie und Joana, sowie ihren Eltern, freundlich mit den typischen Küsschen links, Küsschen rechts begrüßt. Gemeinsam fuhren wir anschließend in das 30 km von Lyon entfernte Örtchen Vienne, indem sie wohnen.

Ankunft und Eingewöhnung

Während der Fahrt redeten alle sehr viel und stellten mir auch Fragen. Es war für mich schwer überhaupt etwas zu verstehen und sinnvoll auf die Fragen zu antworten. Auch die ersten beiden Tage waren für mich schwer, denn obwohl Frankreich ein Nachbarland von Deutschland ist, unterscheiden sich die Kulturen stark und ich musste mich erst an diese Umstellung gewöhnen. Vor allem die Essgewohnheiten in Frankreich waren für mich neu. Frühstück wird praktisch gar nicht gegessen, da reichte manchmal auch ein warmer Kakao. Dafür gab es immer warmes Mittagessen und Abendbrot. Abendbrot wurde bei meiner Gastfamilie jedoch fast immer spät am Abend zu sich genommen um 21 Uhr. Auch das Essen an sich war anders zu dem deutschen Essen. Oftmals gab es als Vorspeise frischen Salat aus dem Garten mit selbstgemachten Dressing und als Hauptgang Fleisch mit frischem Gemüse aus dem Dorf, jedoch ohne Soße. Generell haben wir die meisten Gerichte ohne Soße gegessen, was für mich anfangs etwas befremdlich war. Als Nachtisch gab es dann französischen Käse und französische Salami, was wohl zwei meiner liebsten Dinge aus Frankreich sind. Auch die typischen Froschschenkel und Schnecken, die die Franzosen vermeintlich so gerne essen, habe ich probiert und muss sagen, dass ich beides echt lecker fand.

Mit meiner Gastfamilie habe ich immer viel unternommen, so sind wir ganz am Anfang meines Austausches in den Französischen Alpen für ein Wochenende Ski gefahren. Das war eine unglaublich tolle Erfahrung. Wir sind in einem riesigen Skigebiet gefahren und hatten einfach unglaublich viel Spaß. Nach einem winterlichen Wochenende ging es für mich und Floriane gleich weiter. Wir fuhren mit ihren Großeltern ans Mittelmeer in den kleinen Ort La-Seyne-sur-mer in der Nähe von Marseille. Ich hatte ja schon viel vom Mittelmeer gehört, jedoch war es noch schöner, als ich erwartet hatte. Obwohl es leider noch zu kalt zum Baden war, habe ich unglaublich schöne Natur gesehen. Wunderschöne grüne Hügel und kleine Dörfer, schöne Nadelwälder und gigantische Felsklippen haben wir besichtigt. Einen Tag haben wir auch eine Bootstour auf dem Mittelmeer gemacht, was wohl für mich der Höhepunkt des Urlaubs war.

Schulalltag

Nach diesem wunderschönen Urlaub begann am darauffolgenden Montag mein erster Schultag. In der Schule angekommen, stellte Floriane mich begeistert allen ihren Freunden vor. Anschließend bekam ich meinen eigenen Stundenplan und Floriane machte mit mir einen kleinen Rundgang durch die Schule. Schon am ersten Schultag sind mir die unterschiedlich Schulzeiten zum deutschen Schulsystem aufgefallen. So begann der Unterricht nicht zwingend jeden Tag um 8 Uhr, wie ich es gewohnt war sondern manchmal auch erst um 9 Uhr oder 10 Uhr. Dann gab es immer eine zweistündige Mittagspause, dafür ging dann der Unterricht immer bis ca. 17 Uhr, was für mich eine große Umstellung war, was ich anfangs gar nicht erwartet hätte. Auch die Schule war viel größer, als meine in Deutschland, ohne Floriane hätte ich mich sicherlich oft verlaufen. Im Unterricht habe ich immer versucht etwas zu verstehen, was mir mit jedem Tag besser gelang und ich muss sagen, dass auch der französische Unterricht mir sehr geholfen hat meine Sprache zu verbessern. So aber auch natürlich meine Gastfamilie, obwohl fast alle gut deutsch sprechen konnten, haben sie mit mir konsequent französisch gesprochen. Ich habe mich mit allen richtig super verstanden, aber am besten natürlich mit meiner Gastschwester Floriane.

Wir kannten uns schon von Florianes Aufenthalt in Deutschland

Dadurch, dass sie im Herbst für zwei Monate schon bei mir war, kannten wir uns bereits schon gut und haben dann unsere Freundschaft in Frankreich weiter vertieft. Ich habe ihre Hobbys mit ausprobiert, was mir sehr viel Freude bereitet hat. So habe ich z.B. ein tolles Wochenende bei den französischen Pfadfindern verbracht, wo viele tolle neue Leute kennengelernt habe und ich war jeden Mittwoch mit Floriane tanzen und überlege nun selbst hier in Deutschland damit anzufangen. Auch haben wir oft etwas mit ihren Freunden zusammen unternommen, wir sind z.B. baden gegangen, haben etwas zusammen gegessen oder waren einfach in der Stadt. Einmal haben wir sogar mit einer Freundin zusammen Geburtstag gefeiert. Somit habe ich viele weitere tolle Menschen kennengelernt, und konnte immer bessere Gespräche führen.

Mein Geburtstag – ein Highlight

Eines meiner Highlights in Frankreich war definitiv mein Geburtstag. Floriane und ihre Freunde aus der Schule hatten für ein Essen in einem tollen Bürger Restaurant organsiert und für mich alle zusammen eine Geburtstagskarte geschrieben. Im Restaurant haben sie dann für mich zusammen „Joyeux anniversaire“ gesungen und das ganze Restaurant hat mit eingestimmt, es war ein magischer Moment, den ich nie vergessen werde.

Ein Wochenende in Paris

Ein weiteres besonderes Erlebnis war sicherlich auch Florianes und mein Wochenendausflug nach Paris. Am an einem frühen Freitagmorgen sind Floriane und ich alleine mit dem TGV nach Paris gefahren. Untergekommen sind wir in Paris bei Tante und Onkel von Floriane die eine sehr schöne Wohnung im „18. Arrondissment“ haben. In Paris haben wir zuerst mit Florianes beiden Cousinen die Sacré-Coeur und Montmartre besichtigt. Durch malerisch, schöne Gässchen sind wir gelaufen mit vielen kleinen Läden. An der Sacré-Coeur angekommen hatte man einen atemberaubenden Blick über Paris. Floriane und ich machten außerdem am gleichen Tag noch eine Schiffstour mit dem „Bateaux Mouches“ auf der Seine. Dabei konnten wir viele berühmte Sehenswürdigkeiten bestaunen, wie den Eiffelturm oder Notré-Dame. Am nächsten Tag sind wir mit der ganzen Familie ins Louvre Museum gegangen. Sie haben mir viele berühmte Werke im Louvre gezeigt und wir haben tolle Fotos gemacht. Zusammen sind wir dann zusammen mit dem Auto die „Champs-Elysées“ entlang gefahren und haben ein paar Runden um den Triumphbogen gedreht. Es war ein wirklich toller Ausflug nach Paris.

Die Familien lernen sich kennen

Am letzten Wochenende sind meine Eltern nach Vienne gekommen und wir haben alle zusammen mit Florianes Familie eine sehr schöne Zeit verbracht. So haben wir zwei Ausflüge nach Vienne und Lyon gemacht und waren schön mitten in den Weinbergen essen. Der Abschied am Flughafen von Floriane fiel mir schwer. Ich war traurig, dass die schöne Zeit meines Austausches nun zu Ende war. Ich habe während meines Austausches natürlich in erster Linie Französisch gelernt, welches sich danach auch sehr verbessert hat. Ich habe aber auch ganz viele neue tolle Leute kennengelernt, angefangen mit meiner tollen Gastfamilie und es hat sich eine tolle Freundschaft zu Floriane entwickelt. Im nächsten Herbst werde ich sie wieder für eine Woche besuchen und ich freue mich schon sehr darauf.

Ich kann zusammenfassend sagen, dass dieser Austausch einer meiner besten und prägendsten Erfahrungen in meinem bisherigen Leben war. Also wenn du die Möglichkeit hast einen Austausch zu machen oder überlegst einen zu machen, würde ich dir auf jeden Fall dazu raten, es ist eine sehr gute Erfahrung.

Ein Elternbericht

Niklas’ Mama hat den Austausch sehr intensiv erlebt

Ich bin alleinerziehende Mutter und habe einen 15-jährigen Sohn (Niklas). Gewünscht habe ich ihm immer, dass er einen Schüleraustausch macht. Für einige Zeit woanders zu leben, sich auf andere Menschen einzustellen, nicht zuletzt der Spracherwerb.
Dann das Austauschkind bei uns, ihn kennenzulernen, sich auf ihn einzustellen und viel über sein Leben und seine Kultur zu lernen. Eben unser Leben mit ihm zu teilen.
Das klingt alles vielversprechend, aber mit unserem Status, bzw. meinem Stempel „Alleinerziehend“ bin ich jedoch davon ausgegangen, dass wir nicht so schnell einen Austauschschüler bekommen. Allgemeinhin möchte man doch sein Kind ganz gern in eine Familie hineingeben, in der zwei Erwachsene sind.
Falls es mal so richtig krachen sollte, fehlt vielleicht eine weitere wichtige (erwachsene) Bezugsperson…und außerdem fragt sich sicher der ein oder andere: „Alleinerziehend. Hm…geht denn dort auch alles mit rechten Dingen zu?“

Es hat alles sehr gut geklappt

Aber, um den Schluss mal vorwegzunehmen: Es hat alles sehr gut geklappt. Wir hatten zusammen viel Spaß und es war eine sehr, sehr schöne und auch lernintensive Zeit! Damit meine ich, dass sich alle gut aufeinander eingestellt haben.
Und Quentin, unser Austauschkind, möchte bald wiederkommen (was sicher nicht zuletzt an den Mädchen aus der Schulklasse liegt).
Niklas hat sich um unseren Austauschschüler kümmern müssen – er war schließlich fast den ganzen Tag mit ihm zusammen – und hat somit quasi ein Sozialtraining absolviert, das ihn sehr angestrengt hat – letztendlich hat er unglaublich daran gewonnen!
Falls irgendwas schwierig oder problematisch ist, besteht für die Kinder auch immer die Möglichkeit, mit der Bezugsperson von „adolesco“ Kontakt aufzunehmen. Ich glaube, das allein gibt Sicherheit und nimmt viel Druck aus dem ganzen. Und unter Umständen fühlt man sich nicht so isoliert.
So, zurück zum Anfang:

Niklas in Frankreich

Niklas war zuerst bei Quentin in Frankreich. Fünf Wochen hat er ihn in seinem Alltag begleitet und dank der Gasteltern hatte ich einen guten Einblick darüber, dass er sich auf Familie und Schule gut eingestellt hat. (Niklas selbst hat von vornherein ausgeschlossen, sich bei mir regelmäßig zu melden: „Mama: Anrufen werde ich auf keinen Fall(!) und erst recht nicht skypen!!“
Da ich die Meinung vertrete, dass man sich auf neue Gegebenheiten nur gut einstellen kann, wenn man mit den Gedanken nicht ständig an seiner Heimat hängt, war das für mich jedoch vollkommen in Ordnung: „Okay. Wenn ich von dir nichts höre, gehe ich davon aus, dass es dir gut geht.“
Dass er aber gut in Frankreich gelandet ist und die Familie gefunden hat, sollte er mir zumindest per SMS schreiben – und das hat er auch gemacht.)
Nach den fünf Wochen kam er schon mal sehr ausgewechselt zurück – im positiven Sinn: deutlich aufmerksamer und hilfsbereiter.
Kurzes Beispiel:
Ich: „Hilfst du mir dann mal im Garten?“
Niklas steht auf: „Klar! Jetzt?“
Ich: „?????…Ja! Gerne jetzt!“
Abgesehen von seinen wachsenden Französischkenntnissen hat er so viel erlebt: Land und Leute kennen gelernt, sich auf z.T. vollkommen andere Abläufe und Regeln eingestellt und das alles in einem ihm unvertrauten Land.

Weiter geht’s in Deutschland

Quentin, unser französisches Austauschkind, ist ca. drei Wochen später mit fast keinen Deutschkenntnissen(!) bei uns angekommen. Vor dieser sportlichen Einstellung hatte ich schon mal großen Respekt!
Niklas und er haben aber viel auf Französisch oder Englisch gesprochen, ich blieb eisern bei Deutsch, dann oft mit Händen und Füßen, viel Gestik (verbunden mit viel Lachen) und manchmal mit einem leisen, verzweifelten Flüstern des entsprechenden französischen oder englischen Wortes.
Aber Quentin ist sprachbegabt und hat gleich viel verstanden.
Er hat von sich aus hier und da mitgeholfen den Tisch zu decken und abzuräumen, den Geschirrspüler mit auszuräumen etc., eben diese Kleinigkeiten im Haushalt mitgemacht, die man in den ersten Tagen sowieso thematisiert hätte. Das war schon mal ein guter Start.
In unserem Putzplan hat er sich dann zwei Sachen ausgesucht, die ca. einmal pro Woche (oder aller zwei Wochen, …manchmal auch drei – an den Tagen war immer viel los… ein Termin jagte oft den nächsten) erledigt wurden.

Neue Begeisterung für ein vergessenes Hobby

Am zweiten Wochenende fand ein JazzWorkshop für Jugendliche statt, in den wir Quentin mit seiner Zustimmung (zwei Monate vorher) angemeldet hatten.

Er ging zugegebenermaßen erstmal mit Vorbehalten hin, da er schon seit einiger Zeit keinen Klavierunterricht mehr hatte und sich kurz vor Beginn nun doch Angst und Panik meldeten – kurzzeitig wollte er dann gar nicht mehr hin („??Klavier? Ich? …Nein! Ich spiele kein Klavier! Ich habe schon sehr lange keinen Unterricht mehr!“).
Dabei hatte er doch in Frankreich noch zugestimmt – aber mit gutem Zureden meinerseits („Probier´s doch erstmal. Und wenn´s dir nicht gefällt, hole ich dich eben wieder ab.“) habe ich die zwei schließlich doch zusammen hingefahren.
Im Nachhinein glaube ich, war es die schönste Zeit, die er hier hatte, denn er ist nicht nur über seinen Schatten gesprungen und hat sich dort integriert, er hat darüber hinaus in einer zwanglosen und lockeren Atmosphäre einen freien und kreativen Zugang zur Musik entwickelt. Und das hat ihm richtig Spaß gemacht!
(Am Ende wollte er einem der Dozenten noch hinterherfahren, um sich die noch fehlende Unterschrift für das Poster des Workshops als Erinnerung abzuholen.)
Auch hier zu Hause steht ein Klavier – er hat sich immer häufiger mal drangesetzt und auch mit Niklas oder mir etwas gespielt. Das war klasse und hat mich (und auch seine Eltern, denen ich ab und an ein Video davon zugeschickt habe) sehr gefreut.
In unseren Gospelchor haben wir ihn auch mitgenommen. Viele Lieder werden dort mit Vor- und Nachsingen eingeübt. Da er hier wenig Erfahrung hatte, fiel ihm das etwas schwerer. So hat er dementsprechend bei manchen Liedern nicht mitgesungen, was aber auch vollkommen in Ordnung war.
Die Leute im Chor sind sehr interessiert und offen. Als Franzose wurde er in den Pausen von den anderen häufig angesprochen. Meist auf Englisch. So sah ich ihn fast immer im Gespräch.

Viele Aktivitäten

Ansonsten haben wir unsere Freizeit recht intensiv gestaltet: An einem Tag waren wir in Hamburg, dann im Wattenmeer (das war aber gar nichts für ihn – offensichtlich hat er es trotz unserer Beschreibung zuerst mit einem Strand verwechselt: „Klar, kenn ich – ich bin darin geboren!“. Dann jedoch die Erkenntnis als er im Watt war: „?Häh? Ääähiiiih…nein…das ist nichts für mich!“ Und draußen war und blieb er!).
Für vier Tage sind die zwei allein nach Hannover zu meinen Verwandten gefahren – in der Schule war frei, weil die Abiturprüfungen durchgeführt wurden – und dort war gerade die „Fête de la Musique“: 1200 Musiker auf 40 Bühnen in der Stadt verteilt. Zum Teil mit der Möglichkeit, mitzumachen. Voll gut!

Und bei uns sind wir schwimmen gegangen, wir waren Fahrradfahren, einmal beim „Laser tag“ und Quentin hat im ortsansässigen Sportverein Tennis gespielt. Ich fand es wichtig, dass er hier mal etwas komplett ohne Niklas und mich machen konnte, sein eigenes „Ding“ eben. Er kam immer sehr geschafft und glücklich von dort zurück.

In der Schule

In der Schule hat Quentin viele neue Kontakte gefunden, und nicht nur einmal haben sich Niklas und er nach der Schule mit einigen Freunden getroffen. Sie waren auch zu Geburtstagsfeiern eingeladen, aber an ein paar Wochenenden haben sie sich auch einfach so verabredet – meistens zu Filmabenden.
Im Unterricht selbst war er voll mit eingebunden: Nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich wurde er gefordert.
Ich fand es toll, dass die Lehrer auf ihn eingegangen sind – letztendlich für sie ein Schüler mehr, der differenziert behandelt werden musste, was zusätzliche Arbeit bedeutet. Vielen Dank an dieser Stelle!
Die Atmosphäre in der Klasse ist besonders gut, und Quentin hat das sehr bewusst wahrgenommen. Nach seinen 10 Wochen bei uns fiel ihm der Abschied von den neuen Freunden besonders schwer. Er hat bei uns eine Abschiedsfeier gegeben und es gab Fondue (Fleisch- und Käsefondue) in unserem Garten. 10 Leute waren da und ich gehe mal davon aus, dass nicht nur in unserem Dorf alle mitbekommen haben, dass in unserem Garten gefeiert wurde (Lachen, Kreischen…).
Am Ende des Essens wurde der Esstisch zur Tischtennisplatte umfunktioniert. Eine fröhliche Gesellschaft, die nachher noch einen Nachtisch gemacht hat („Schneegestöber“).

Ein Fazit

Insgesamt war es eine richtig gute Zeit! Ich war im regelmäßigen Austausch mit unserer Begleiterin von „adolesco“. Mit ihr hat es von Anfang an gut gepasst, ich habe mich gut beraten und auch unterstützt gefühlt. Zu wissen, dass sie für Niklas genauso da war, fand ich gut. Für den Fall eines Notfalls war das beruhigend für mich. Und sei es nur, dass er ihr schreiben konnte, ob es insgesamt gut passt oder hier und da etwas kriselt. (Ist nicht vorgekommen, aber das weiß man ja vorher nicht.) Regelmäßig habe ich ihr geschrieben, wie es bei uns ist. Niklas musste Quentin besonders am Anfang sozusagen „an der Hand nehmen“. Das hat ihn in mehreren Situationen richtig angestrengt.

Hier ein Beispiel: Der Schulbus hatte Verspätung und mit den 10 Minuten, die sie laufen mussten, wurde die Zeit zum Beginn der ersten Stunde sehr knapp. Niklas wollte losrennen, Quentin aber vertrat die Meinung, dass er ja schuldlos an dieser Verspätung sei und er es gar nicht einsehe, jetzt loszurennen. Niklas fühlte sich nun hin- und hergerissen, wollte keinen Ärger, mochte Quentin aber auch nicht zurücklassen. Später in der Reflexion hat die Auseinandersetzung mit solchen Herausforderungen Niklas und mich nochmal richtig zusammengeschweißt. Dafür bin ich besonders dankbar. Sind doch Jugendliche im Alter von 15 …allgemeinhin… naja… mitunter etwas …unentspannt. Aber sein Blickwinkel für viele Situationen wurde verändert und letztendlich sehr bereichert. Niklas selbst ist bewusst geworden, dass er gelernt hat, deutlich mehr Verantwortung für andere zu übernehmen. Er hat auch als positiv bewertet, dass der Tagesablauf insgesamt geregelter war: In Frankreich wird immer zusammen gegessen – dafür nur dreimal pro Tag. Diese Regel haben wir hier gern übernommen. Zurückblickend hat der gesamte Austausch richtig guten Wind in unseren Alltag gebracht und ich bin sehr froh, dass wir daran teilgenommen haben! Der Kontakt zur Familie in Frankreich besteht und wir freuen uns, wenn Quentin noch einmal herkommt.